Pädagogische Fachzeitschriften 2007

Heidelinde Kahlhammer

Die Praxis des Förderunterrichts auf der Sekundarstufe I in den Bundesländern Niederösterreich, Salzburg und Wien im Schuljahr 2003/2004

[an error occurred while processing this directive] Die vorliegende Zusammenfassung gibt Ihnen einen kurzen und prägnanten Einblick in die „Praxis des Förderunterrichts” mit zum Teil sehr markanten Unterschieden zwischen den untersuchten Schulen in den drei angegebenen Bundesländern.

Durch die fokussierte Evaluation sollte der in den Lehrplänen definierte „explizite Förderunterricht“ erfasst und schwerpunktartig die Praxis des Förderunterrichts an Sekundarschulen beleuchtet werden. Um Meinungsverschiedenheiten oder der gleichen vorweg aus dem Weg zu räumen, waren unter anderem die nichtdeutsche Muttersprache oder Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf  nicht von Bedeutung in diesem aussagekräftigen Bericht.

Förderangebot und Überprüfung der Thesen

Immer mehr und mehr rückte – vor allem aufgrund der PISA-Studie, den Vorschlägen der Zukunftskommission sowie der im Zuge der österreichischen Diskussion über die Schulqualität – das Thema des professionellen Förderns als zentraler pädagogischer Auftrag von Schulen – besonders innerhalb der Schulaufsicht in den Vordergrund.

Die Hauptziele, die im Einzelnen von den InspektorInnen individuell verfolgt wurden, waren unter anderem das Bewusstmachen der pädagogischen Qualität des Förderunterrichts, die Erhebung der Praxis und Rückmeldung an die Schulen sowie die Ideensammlung zur Evaluation des Förderunterrichts. Aufgrund der Kenntnisse des Schulalltags wurden einige Thesen formuliert, die wie folgt lauten:

Letztendlich ist der ausschlaggebende Punkt für diesen Bericht eine Erhebung des Ist-Zustandes zum Förderunterricht mittels eines Fragebogens, welcher am Ende des Schuljahres 2003/2004 an den drei Schultypen Hauptschule (HS), Allgemein Bildenden Höheren Schule (AHS) sowie Berufsschule (BS) durchgeführt worden ist. Die Datenerhebung erfolgte von der Schuldirektion der jeweiligen Schule.

Auswertung des Fragebogens und Kritik von Lehrer- und LeiterInnen

Mit einer Teilnehmerzahl von 2.289 Klassen mit 54.519 SchülerInnen wurden Vergleiche zwischen den angeführten Schultypen, Unterrichtsgegenständen sowie  den Geschlechtern durchgeführt. Auffallend war vor allem die Geschlechtsverteilung in den Bundesländerstichproben. Vor allem in den Gymnasien der Bundeshauptstadt Wien war der prozentuelle Anteil an Mädchen bei ungefähr 56%.

Bei der Verteilung der gehaltenen Förderstunden auf die Unterrichtsgegenstände wurden nur 13,4% der gesetzlich möglichen Förderstunden insgesamt ausgeschöpft. Schlusslicht war Wien mit einem mageren Anteil von nur 4,5%. Am häufigsten wurde der Förderunterricht in Mathematik (36,1%) gefolgt von Englisch (ca. 30%) und Deutsch (ca. 23%) durchgeführt. Bemerkenswert waren bei der Ausarbeitung des Fragebogens auch die Unterschiede nach Gegenstand und Bundesland, die wohl auf eigene Fördertraditionen schließen lassen. So wurde der Gegenstand Deutsch an den Gymnasien Wiens häufiger gefördert als an den Hauptschulen Niederösterreichs und Salzburgs.

Entgegen der Annahme, dass mehr Knaben als Mädchen am Förderunterricht teilnehmen würden, zeigten sich in den Gesamtverteilungen nach Gegenständen kaum Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern. Nur zwischen den Bundesländern ergaben sich erhebliche Unterschiede, wenn man die Teilnahme nach dem Geschlecht unterteilt. Vor allem im Gegenstand Deutsch war der Knabenanteil an den Gymnasien Wiens im Gegensatz zu Niederösterreich und Salzburg relativ hoch bei rund 30%. Bei den Mädchen war ein ähnlicher Trend festzustellen, auch wenn nicht so stark ausgeprägt. So war der prozentuelle Anteil im Gegenstand Deutsch bei cirka 22%.

Zu guter letzt wurden auch die Formen des Förderunterrichts überprüft und so wurden mit rund 42% Kursformen (=mehrere Wochen hintereinander) und mit einem Anteil von cirka 37% punktuelle Formen des Förderunterrichts durchgeführt.

Nicht nur die Auswertung des Fragebogens war ein wesentlicher Teil dieser Studie sondern auch die Meinungen von LehrerInnen und LeiterInnen waren ausschlaggebend und von hoher Bedeutung. Die häufigsten Anlässe und Ursachen für den Förderunterricht waren laut LehrerInnen negative Leistungen, Leistungsdefizite, häufig fehlerhafte Hausübungen sowie längeres Fernbleiben aufgrund von Krankheiten. Ein weiteres Defizit war demnach ein zu geringeres Angebot für SchülerInnen. Oft lässt es auch der Stundenplan aufgrund von Zeitproblemen nicht zu. Des Weiteren scheuen sich LehrerInnen davor, am Nachmittag Förderunterricht aufgrund des Alters wegen abzuhalten. Auch organisatorische Konstellationen und Desinteresse beeinträchtigen das Abhalten eines Förderunterrichts immens.

Um auch in Zukunft einen Förderunterricht den SchülerInnen zu gewährleisten, wurden zahlreiche Verbesserungsvorschläge und Ideen von LehrerInnen und LeiterInnen mit eingebracht, wie zum Beispiel Methodentraining als eigener Förderunterricht, mehr Integration mit ZweitlehrerInnen, Assistenzstunden, Teamteaching sowie Ressourcenerweiterung für die Schule im Allgemeinen.

Quelle

Erziehung und Unterricht, Jänner/Februar 1-2/2007, Kahlhammer H., Seite 58ff


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