Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Elfriede Billmann-Mahecha

Frauen in der wissenschaftlichen Psychologie

[an error occurred while processing this directive]

1. Zur aktuellen Lage von Frauen in den Wissenschaften Deutschland

„Frauen haben heute uneingeschränkten Zugang zu den Universitäten. In Deutschland nahmen 2002 erstmals mehr Frauen als Männer ein Studium auf, 2001 erreichten erstmals mehr Frauen als Männer einen universitären Hochschulabschluss“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 78). Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes stiegen in 10 Jahren (von 1993 bis 2002) der Anteil weiblicher Promotionen von 30,6% auf 36,4% und der Anteil an Professuren von 6,9% auf 11,9% (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S. 78).

„Damit steigt zwar der Frauenanteil auf allen Qualifikationsstufen kontinuierlich an, allerdings scheint es fraglich, ob mit diesem Trend mittelfristig die Unterrepräsentation von Frauen in der Professorenschaft ausgeglichen werden kann“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 78). Analysiert man allerdings die gleichen Faktoren bei den Männern, „so ist die Differenz zwischen der Zahl der Habilitationen und der Zahl der Berufungen wesentlich gravierender als bei Frauen.“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 79)

Frauen haben es wesentlich schwerer in den Wissenschaften einen beruflichen Fortschritt zu erreichen. Mögliche Gründe und Ursachen dafür sind bereits mehrfach beschrieben worden. (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S. 79) „Zu Beginn des Frauenstudiums standen noch fundamentale gesellschaftliche Restriktionen und gesetzliche Barrieren im Vordergrund“ (Boedeker 1939 zit. nach Billmann-Mahecha 2004, S. 79). „Z.b. nehmen Frauen immer noch eine gewisse Skepsis gegenüber Frauen in der Wissenschaft wahr. Außerdem sehen sich Frauen seltener in wissenschaftskommunikative Netzwerke integriert“ (vgl. Umfrageergebnisse von Krimmer et al. 2003 zit. nach Billmann-Mahecha 2004, S. 79). Heute wird vor allem das „Problem der Vereinbarkeit von Familie und Beruf diskutiert“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 79). Doch diese These scheint nicht ganz korrekt. „Vielmehr ist die Dauer der Ausbildungsphase bei Männern und Frauen statistisch unabhängig von der Zahl der Kinder. Sogar 48% der Frauen, die weniger als fünf Jahre für ihre Habilitation benötigten, hatten ein oder mehrere Kinder.“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 79)

Signifikant und erwähnenswert ist allerdings noch der Fakt, dass, „resultierend aus der Studie von Krimmer et al. (2003), einer repräsentativen Befragung von 619 Professorinnen und 537 Professoren an deutschen Universitäten“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S.79), mehr der befragten Professoren auf einer Instituts- oder Forschungsstelle promovieren können, Frauen hingegen aber mehr auf Stipendien oder anderweitige Unterstützung angewiesen sind (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S. 79).

2. Der Beitrag von Frauen zur wissenschaftlichen Psychologie unter quantitativen Aspekten

„Fragt man im Kreis von Kolleginnen und Kollegen, die nicht psychologiegeschichtlich arbeiten, wie viele Frauen vermutlich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Psychologie promoviert haben, so erhält man Schätzungen zwischen 20 und maximal 50 Personen.“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 79) „Geuter (1987) verzeichnet bis zum Jahr 1950 insgesamt 1.943 psychologische Dissertationen.“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 80) Davon sind etwa 350 von Frauen geschrieben was einem Anteil von 18% entspricht. (vgl. Lohnschelder 1994 zit. nach Billmann-Mahecha 2004, S. 80)

„Die Habilitation von Frauen wurde in Deutschland vom Grundsatz her erstmals 1920 durch das Preußische Ministerium für Wissenschaft und Kunst ermöglicht.

Die erste Frau, die sich im Fach Psychologie habilitieren konnte, war vermutlich Anneliese Argelander 1926.“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 80)

„Heute liegt der Frauenanteil bei den abgeschlossenen Diplomprüfungen im Fach Psychologie in Deutschland bei 75%, bei den Promotionen bei 53% (Zahlen für 2002), bei den Habilitationen bei durchschnittlich 25% (Statistisches Bundesamt, 2004).“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S. 81)

3. Der inhaltliche Beitrag von Frauen zur Entwicklung der wissenschaftlichen Psychologie

Es werden Beispiele für den inhaltlichen Beitrag von Frauen zur Entwicklung der wissenschaftlichen Psychologie aus den Bereichen Allgemeine Psychologie und Entwicklungspsychologie genannt.

„Bluma Zeigarnik (1900-1988), geboren im heutigen Litauen, ist vor allem durch den so genannten Zeigarnik-Effekt bekannt (Zeigarnik, 1927)“ (Elfriede Billmann-Mahecha 2004, S.82). Dieser Effekt beschreibt, dass unerledigte Handlungen besser in der Erinnerung des Menschen gespeichert werden (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S. 82).

Charlotte Bühler (1893-1974) ist Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychologie und gilt unbestritten als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der Geschichte der Entwicklungspsychologie. In gut einem Jahrzehnt ist es ihr gelungen, in Wien mit Hilfe genügender Forschungsmittel ein bedeutsames Zentrum für kinder- und jugendpsychologischer Forschung aufzubauen. (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S. 82)

Dass Frauen erhebliche Beiträge in Forschungsgruppen leisteten und dafür aber in der Fachöffentlichkeit oft weniger Aufsehen erlangen als Männer hat neben individuellen und sozialisatorischen Gründen auch wissenschafts- und vor allem sozialgeschichtliche Gründe. (vgl. Billmann-Mahecha 2004, S 84)

Definition Fremdwörter

Habilitation

Verfahren zum Erwerb der Venia Legendi

Venia Legendi

durch Habilitation erworbene Lehrberechtigung für wissenschaftliche Fächer

DGP

Deutsche Gemeinschaft für Psychologie

Quelle

Billmann-Mahecha, E. (2004). Frauen in der wissenschaftlichen Psychologie. Psychologische Rundschau,55(S1), 78-86. Göttingen: Hogrefe.


Zum Inhaltsverzeichnis


Aus Pädagogischen Fachzeitschriften ...

impressum stangl.eu