Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Zwölf Jahre integrativer Unterricht in Volksschule und Sekundarstufe 1: eine Bilanz 

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Seit im Jahre 1993 gesetzlich geregelt wurde, dass auch behinderte Kinder berechtigt sind, die Volksschule gemeinsam mit nicht behinderten Kindern in einer Klasse zu besuchen, und seit 1996 dasselbe für die Hauptschule und die Unterstufe der allgemein bildenden Schulen beschlossen wurde, ist es nun auch für jeden Unterrichtenden in diesen Schulen, bzw. Jahrgängen, wichtig, zu wissen, wie man mit solchen Kindern umgehen muss, wie man sie fördert und in die Klasse integriert. Der Begriff Sonderschulbedürftigkeit, der in zunehmender Weise als stigmatisierend angesehen wurde, wurde durch den Begriff sonderpädagogischer Förderbedarf abgelöst. Für einen Schüler, bzw. eine Schülerin bedeutet das konkret, dass individuell notwendige Fördermaßnahmen festgelegt werden und wenn nötig auch die Bereitstellung aller erforderlichen pädagogischen Angebote, wie z.B. ein zusätzlicher Lehrer nur für den Schüler mit SPF gegeben ist (vgl. L.Bauer, 2006, S.9).

Dieses Angebot des integrativen Unterrichts für behinderte Schüler und Schülerinnen wird in hohem Ausmaß angenommen, Tendenz steigend. Integrativer Unterricht ist sowohl für Schüler mit SPF als auch für die nicht behinderten Schüler von Vorteil, immerhin lernen sie hier, wie wichtig Integration ist. Auch in der Hauptschule steigt die Tendenz zum gemeinsamen Unterricht, sogar mehr als in der Volksschule, wo sich die Anzahl der Schüler mit SPF zu stabilisieren beginnt, wo hingegen die Schülerzahl an Sonderschulen sinkt. Die allmähliche Stabilisierung der Zahl der behinderten Schüler in der Volksschule, und die weiter steigende Zahl derselben in der Hauptschule lässt darauf schließen, dass sonderpädagogischer Förderbedarf oft erst sehr spät, beim Übergang von der Volks- in die Hauptschule erkannt wird (vgl. L.Bauer, 2006, S.11).

Die gesetzliche Verankerung des gemeinsamen Unterrichts hat nicht nur Auswirkungen auf die Schüler, sondern auch in hohem Maße an die Lehrer. Es werden immer mehr Lehrer gebraucht (die sich teilweise nur auf einen Schüler konzentrieren), vor allem solche, die geschulte Kompetenzen im Bereich der sonderpädagogischen Förderung vorweisen können. Es wurden auch „ambulante bzw. mobile Interventionssysteme entwickelt, die Schülerinnen und Schülern, die oftmals nur temporär sonderpädagogische Unterstützung benötigen, integrativ im Klassenverband betreuen“ (L. Bauer, 2006, S.13).

Obwohl die Integration in der Volksschule und Sekundarstufe 1 zum größten Teil gut funktioniert und auch von den meisten Schulen wahrgenommen wird, fehlt noch immer ein Gesetz, dass es den Schülern mit SPF ermöglicht, auch die neunte Schulstufe zu besuchen und somit die Pflichtschulzeit abzuschließen.

Jedoch nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern der Europäischen Union wird integrativer Unterricht betrieben. Die European Agency for Development in Special Needs Education gibt Informationen über di Entwicklung in den einzelnen Ländern und fördert auch den Austausch zwischen diesen.

Quelle

Bauer, Lucie (2006). In „Erziehung und Unterricht Jänner/Februar 1-2“


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