Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Lehrerbefindlichkeit, Lehrerängste

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Eine Untersuchung zum Thema „Lehrerbefindlichkeit, Lehrerängste“ zeigte, dass Burn-out, Arbeitsklima, Lehrerangst, Ansehen und emotionale Stabilität, wesentliche Belastungsfaktoren für Lehrer darstellen, wobei das Empfinden vom Schultyp, Alter und Geschlecht, abhängt. Weiters werden Eltern, Kollegen, nicht aber Vorgesetzte und Schüler, als belastend angesehen.

Der Schüler, der grundsätzlich als der Belastungsfaktor schlecht hin betrachtet wurde, könnte in dieser Untersuchung nicht als solcher beurteilt werden, denn der Großteil der Lehrkräfte erfreut der Umgang mit ihren Schülern und sie sind sehr bemüht, ihre Schüler auch zu verstehen. Hingegen ist auch zu beachten, dass viele Lehrer der Meinung sind, nicht gut mit Problemschülern umgehen zu können (vgl. Katschnig T. 2002, S. 167).

Als nicht sichtbarer Belastungsfaktor erweisen sich Kollegen. Vor allem Unstimmigkeiten in Bezug auf ihren eigenen Unterrichtsstil werden als sehr belastend empfunden. Diesbezüglich wird auch die Unterstützung untereinander als nicht zufrieden stellend beurteilt. Allerdings gibt es auch Lehrkräfte, die bereits berufliche Anreize bekommen haben. Im Gegensatz dazu, zählen Vorgesetzte nicht zu den Personen, vor denen LehrerInnen Angst haben. Im Gegenteil, die meisten sehen es nicht als Unannehmlichkeit, wenn sie grundlos ins Büro des Vorgesetzten kommen müssen. Deshalb werden sie heutzutage auch immer mehr als Kollegen angesehen (vgl. Katschnig T. 2002, S. 167-169).

LehrerInnen erleben Eltern nicht als Angstquelle, jedoch nehmen sie oft großen Einfluss auf die Lehrkräfte. Die Ansprüche, die seitens der Eltern gestellt werden, seien enorm groß. Weiters wird behauptet, dass der Respekt der Eltern den LehrerInnen gegenüber stark zurückgegangen sei (vgl. Katschnig T. 2002, S. 168).

Auch das starre System wird als stark belastend bezeichnet. Der Großteil der LehrerInnen ist der Meinung, dass ihr Beruf sehr anstrengend sei und die Entlohnung schon etwas besser sein könnte. Einige beobachten auch Depression und Ermüdung im Laufe ihrer Karriere. Das Fehlen einer Supervision und die Unzufriedenheit mit pädagogischen Reformen sind ein weiterer Ansatzpunkt, weshalb der Beruf Lehrer als Belastungsquelle gesehen wird (vgl. Katschnig T. 2002, S. 169).

Im nächsten Punkt der Untersuchung wurden die fünf Faktoren Burn-out, Arbeitsklima, Ängste, Image, emotionale Stabilität analysiert, wobei hier nach Schultyp, Alter und Geschlecht unterschieden wurde. Besonders auffallend war, dass Burn-out in Volks- und HauptschullehrerInnen häufiger stattfindet, als bei AHS- und BMHS-Lehrkräften. Das Arbeitsklima wird in der Volksschule und BMHS wesentlich besser beurteilt, als in der Hauptschule und in der AHS. Die Lehrerangst ist in der AHS am größten, am geringsten hingegen in der Volksschule und BMHS. ASO-Lehrer haben fast keine Angst. Das Image ist bei ASO-LehrerInnen am Größten. Gefolgt wird dies von den BMHS-Lehrkräften. Das geringste Ansehen haben HauptschullehrerInnen, AHS- und VolksschullehrerInnen befinden sich im Mittelfeld. Betrachtet man diese Faktoren im Hinblick auf das Alter, so ist nur beim Arbeitsklima ein deutlicher Unterschied zu verzeichnen, denn ältere Lehrer empfinden das Arbeitsklima schlechter als jüngere. Bezüglich des Geschlechts zu ist erwähnen, dass Frauen in der Schule stärker belastet sind als Männer (vgl. Katschnig T. 2002, S. 169-171).

Eine abschließende Clusteranalyse ergab, dass es drei verschiedene Gruppen von Lehrern gibt. Zu der ersten zählen jene LehrerInnen, die keine Angst verspüren, weshalb auch keine Bewältigungsstrategie angewandt wird. Die zweite Gruppe sind jene Lehrkräfte, die zur Angstbewältigung „eher gesunde“ Strategien, wie beispielsweise Alternativmedizin, autogenes Training, Yoga usw. verwenden. Zur dritten zählen jene, die zu „eher ungesunden Bewältigungsmethoden“, wie Zigaretten, Kaffee, Alkohol, Süßigkeiten und Medikamente, greifen (vgl. Katschnig T. 2002, S. 171-173).

Treten Probleme im Schulalltag auf, so suchen die meistens LehrerInnen den Kontakt zu Kollegen, Freunden und teilweise auch zu ihrem Ehepartner. Bei zu hohen Anforderungen kommen auch psychische Merkmale wie Unruhe, Kopfschmerzen, Magendarmprobleme usw. zum Vorschein. Abschließend ist zu erwähnen, dass sich jedoch fast die Hälfte aller Lehrkräfte in ihrem Beruf nicht überfordert fühlen (vgl. Katschnig T. 2002, S. 173-175).

Quelle

Katschnig T. (2002). Lehrerbefindlichkeit, Lehrerängste. Erziehung und Unterricht, 161-175


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