Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Klaus Peter Wild und Detlef H. Rost

Klassengröße und Genauigkeit bei Schülerbeurteilungen

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Der Studie Vorangegangenes

Die Klassengröße in Schulen stellt nicht nur hier zu Lande ein starkes Diskussionsthema dar, sondern wird auch in Übersee und in Deutschland heftigst diskutiert. Eine geringere Klassengröße folgt bei Lehrern, aber besonders auch bei Eltern zu überschäumender Euphorie (vgl. Wild & Rost 1995, S.78). Ob diese begründet ist, oder ob wir hier einem Hirngespinst folgen zeigt die Auswertung der Studie in diesem Artikel.

Für uns als Laien erscheint natürlich der Zusammenhang eindeutig. Je größer die Klasse ist, desto schwieriger ist es als Lehrer auf alle Schüler einzugehen und desto schwieriger ist es auch die individuellen Stärken und Schwächen meiner Schützlinge kennen zu lernen. Weiterhin folgern wir, dass die Lernleistung in einer gößeren Klasse automatisch nachlassen muss, da sich die Schüler und Schülerinnen ständig ablenken und sich die Lehrer alle Zähnen daran ausbeißen die Klasse wieder zu beruhigen.

Kleiner Studie in Amerika haben genau diese Vorurteile bestätigt, doch in Deutschland konnte man wiederum nur durch Stichproben das Gegenteil beweisen. Doch um sicher zu gehen und genau Daten zu bekommen wurde eine in Deutschland breit angelegte Studie mit 7289 Drittklässler aus 206 Schulen durchgeführt. Weiters ist anzumerken, dass die Studie sich auch auf die Grundeigenschaften des Lehrkörpers bezieht. Das soll heißen, dass man auch testet, in wiefern die Lehrer ihre Schüler und Schülerinnen in den Bereichen Grundintelligenz, Zahlen- Verbindung und Sprachliche Analogien einschätzen können. Weiters wurden die Daten der Lehrer, sprich: Alter, Zeit der Lehrtätigkeit und Zeit der Lehrtätigkeit in der Klasse aufgenommen, um auch da Unterscheidungen zu treffen (vgl. Wild & Rost 1995, S.79-81).

Ergebnis der Studie

Ich möchte hier auf die mathematischen Berechnungen nicht näher eingehen, da sie für unseren Zweck irrelevant sind. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass man sich überall die Mittelwerte angesehen hat und die Abweichungen von diesen. Damit bekommt man eine mehr oder weniger starke Aussage und schließt somit auf die Gesamtheit.

Anhand der Studie kann nicht belegt werden, dass „ sich weder für die Intelligenzdaten noch für die Lehrereinschätzungen statistisch signifikante oder praktisch bedeutsame Unterschiede in Abhängigkeit von der Klassengröße“ (Wild & Rost 1995, S. 84) zeigen.

Viele von uns vertreten die Meinung, dass man in kleineren Klassen besser auf die Schüler eingehen kann und somit auch leichter oder sogar bessere individuelle Beurteilung bieten kann, doch auch diese- mir immer sehr logisch lautende- Aussage wurde in dem Ergebnis der Studie klar widerlegt. „Kleiner Klassen alleine ermöglichen Lehrkräften also nicht, sich ein genaueres Bild von den relativen intellektuellen Fähigkeiten ihrer Schüler zu bilden, bzw. diese zutreffender einzuschätzen“ (Wild & Rost 1995, S. 84).

Ich möchte noch kurz zwei weitere Ergebnisse der Studie erwähnen, die mir noch wichtig erscheinen:

Abschließend lässt sich nun sagen, dass man die Studie auf die Allgemeinheit ummünzen kann, da sie ein sehr breites Spektrum absteckt. Weiters ist noch anzuführen, dass wir uns hier speziell auf die kognitiven Fähigkeiten beschränkt haben (vgl. Wild & Rost 1995, S.86).

Quelle

Wild, K-P. & Rost, D-H. (1995). Klassengröße und Genauigkeit von Schülerbeurteilungen. Zeitschrift für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie, 1995, S.79-90.


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