Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Emos, Raver, Rapper, Punks, Skinheads und viele andere

Beobachtungen aus jugendkulturellen Szenen 

„Die Medien vermitteln über Jugendkulturen meist skandalisierende Aspekte ( … ); sie reduzieren Inhalte und Themen der Jugendkulturen auf die Probleme „Gewalt“ und „Drogen“; die Erwachsenen werfen den Jugendkulturen vor allem Sprachlosigkeit und Eskapismus vor, merken dabei aber nicht, dass sie selber gegenüber Jugend und Jugendkulturen sprachlos geworden sind; sie kapitulieren vor der Vielfalt und Mannigfaltigkeit der Jugendkulturen und jugendkulturellen Szenen.“ (Barthelmes 1999, S. 39) 

Weiters ist Barthelmes der Meinung, dass Jugendkulturen nicht von irgendwoher kommen sondern im Alltagsleben entstehen und in der Familie beginnen, schon im Kindheitsalter. Außerdem orientieren sich Kinder an älteren Geschwistern oder Freunden und fühlen sich dadurch zu diesen und der jeweiligen Jugendkultur bzw. Szene zugehörig.

Es gibt eine Vielzahl von Jugendkulturen, welche sich nach den folgenden vier Grob-Kategorien einteilen lassen: Musik-Kulturen, Sinn-Kulturen, Körper-Kulturen und Kreativ-Kulturen. Jede dieser Kulturen bringt aber wiederum mehrere Sub-Kategorien mit sich. Außerdem sind Jugendkulturen stets in Veränderung, sind kurzlebig, bieten aber trotzdem Gefühle der Geborgenheit und Zugehörigkeit.

Auch für junge Erwachsene haben Jugendkulturen große Bedeutung, denn oft können Jugendkulturen erst mit Volljährigkeit intensiv gelebt werden. Weiters verwandeln sich Jugendkulturen immer mehr zu kulturellen Szenen, in denen sich oft Job- und Berufsmöglichkeiten ergeben. (vgl. Barthelmes 1999, S. 40 ff) 

„Jugendkulturen sind (…) in den Alltags- und Tagesablauf der Jugendlichen eingebettet. (…) Obgleich der Sinn von Jugendkulturen auch Rebellieren, Widerständigkeit und Anecken heißt, ist das sozialkulturelle Umfeld für die (Aus-) Wahl der jugendkulturellen Szenen und Stile entscheidend. Jugendkulturen und deren Ausdrucksformen sind in die Gesellschaft eingebunden; somit sind sie auch politisch, beziehen Stellung und reagieren auf die Gesellschaft; sie sind Spiegelbilder unseres alltäglichen gesellschaftlichen Lebens; sie sind Arbeit an der Differenz, Arbeit am Unterschied; sie sind Antworten auf Fragen, die in Familie und Gesellschaft nicht gestellt, nicht beantwortet, tabuiert, verdrängt oder verschlampt werden; sie sind Angebote, mittels derer die Jugendlichen ihre entsprechenden Sinn-Gehalte finden können“ (Barthelmes 1999, S.42 f).

 

Emos

Emotional Hardcore bezeichnet ursprünglich ein Subgenre des Hardcore-Punk, auch Emocore genannt, das sich durch das stärkere Betonen von Gefühlen wie Verzweiflung und Trauer sowie durch die Beschäftigung mit gesellschaftlichen, politischen und zwischenmenschlichen Themen auszeichnet. Etwa seit dem Jahr 2000 erfolgt die Genre-Einordnung oft aufgrund von äußeren Merkmalen. „Emo“ existiert seit diesem Zeitpunkt als von der Musikszene unabhängige Modeerscheinung. Bei den ersten Vertretern des Emo-Genres gab es noch keinen einheitlichen Dresscode – „Emos“ dieser Generationen kleideten sich so wie es in Hardcore- und Punkkreisen üblich war. Bei der Masse der sich in den neunziger Jahren dem Indierock-Emo zugehörig Fühlenden war die Mode durchaus anders geprägt. Dort waren Hornbrillen, enge Pullover, Westen, Cordhosen, Hemden, Worker-Jackets und Lederschuhe die vorherrschenden Kleidungsstücke.

Emo, im heutigen Verständnis als Modeerscheinung, greift verschiedene Elemente der früheren Generationen auf und vermischt sie mit Elementen der Gothic-Mode und Anleihen des Pop-Punk. Charakteristisch sind: ein schwarz (vereinzelt auch platinblond) gefärbter, meist gescheitelter Pony, Röhrenjeans, enge T-Shirts, Arm- oder Schweißbänder, Buttons, Sportschuhe, dunkel geschminkte Augen (bei beiden Geschlechtern) sowie Nietengürtel. Essentiell für die heutige Emo-Mode ist dabei nicht nur das Vorhandensein der oben genannten Dinge, sondern auch Farbe, Marke und Muster. Schwarz nimmt in der heutigen Szene eine besondere Stellung ein und wird vermehrt getragen, oft wird sie mit rot oder pink gemischt, sowohl bei der Kleidung als auch bei der Haarfarbe. Charakteristisch ist unter anderem die Mischung von Dingen, die im allgemeinen Verständnis als „süß“ gelten, wie etwa Hello-Kitty-Accessoires, mit düsteren Symbolen, etwa Totenköpfen und Skeletten. Der Szene wird, wie früher der Schwarzen Szene, ein Hang zur Autoaggression (umgangssprachlich als „Ritzen“ oder „Schnibbeln“ bezeichnet) und zur Suizidalität nachgesagt. Diese umstrittene Ansicht wird häufig auch von den Medien verbreitet.

Emo sucht Freundin & Freund (Original)

 

[Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=3gfxu1UEQY4]

Die Parodie auf den Emo-Kult - Emo-Witze

 

[Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=vYizFQIWYR4]

Jugendliche brauchen diese jugendkulturellen Szenen für den Prozess der Ablösung sowie für die Arbeit am Selbstbild.

Jugendkulturen bieten für Jugendliche Alternativen zum Mainstream an. Weiters sind diese „Erwachsenen-„ bzw. „Eltern-freie Zonen“, in welchen sich die Jugendlichen ihre Regelen selbst aushandeln und gestalten, Jugendkulturen sind also Erfahrungsräume, in denen Jugendliche ihre Identität entwickeln können.

In Diskussionen über Jugendkulturen kommt die Rede sehr rasch auf die Themen „Gewalt“ und „Drogen“. Doch diese beiden Themen sind keine jugendkulturellen Themen sondern Themen des Jugendstrafrechts, der Psychologie und Pädagogik. Außerdem sind sie keine jugendkulturellen Themen sonder Phänomene bei bestimmten Szenegruppen. (vgl. Barthelmes 1999, S. 45 ff)

„Selbst bei entschiedener Ablehnung bestimmter jugendkultureller Geschmacksstile bleiben die Familien bzw. die Eltern von den jugendkulturellen Erfahrungen und Geschmacksentwicklungen nicht verschont. Die Familie wird mehr denn je zum Ort, an dem Jugendliche in einer Balance zwischen Familienkultur und Peergroup-Kultur die eigene persönliche Geschmackskultur entwickeln müssen. (…) Dieser Prozess bedeutet Auseinandersetzung und Abgrenzung, aber auch Erweiterung und Bereicherung. (…) Das proklamierte „Gemeinsame der Familie“ erfährt somit eine Veränderung und muss dann neu definiert und gestaltet werden.“ (Barthelmes 1999, S. 49 f) 

Quellen

Barthelmes, J. (1999). Raver, Rapper, Punks, Skinheads und viele andere. Beobachtungen aus jugendkulturellen Szenen. In Benner, D. et. Al. (Hrsg.), Zeitschrift für Pädagogik. Erziehung und sozialer Wandel, 39, 39 – 50.

http://de.wikipedia.org/wiki/Emo (09-08-08)


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