Pädagogische Fachzeitschriften 2006

Unsere Kinder brauchen eine qualitativ hochwertige ganztägige Betreuung

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Obwohl sich seit 1993 die Arbeiterkammer für den Ausbau ganztägiger Schulen einsetzt, können derzeit in Österreich lediglich 5,8% der 6- bis 14-jährigen von dieser Schulform Gebrauch machen, 2/3 davon sind an Wiener Schulen.

Eine AK-Studie von 2003 erhob einen zusätzlichen Bedarf von 100 000 Betreuungsplätzen alleine im Volksschulbereich. Weiters wurden die Bedürfnisse und Wünsche der Eltern erhoben. 62% der Befragten sprachen sich demnach damals für eine Ganztagsbetreuung aus, 17% waren dagegen.

Die Eltern erwarten sich dabei nicht nur eine Beaufsichtigung ihrer Kinder, sondern auch eine gezielte Unterstützung bei Lernschwächen (Reduktion kostspieliger Nachhilfestunden). Der Bund zahlt jedoch nur fünf vollwertige Lehrerstunden, die auch zur Finanzierung von bis zu 10 Betreuungsstunden zum halben Tarif genommen werden können. Dies wird jedoch zur Verminderung der pädagogischen Qualität führen, denn Betreuung und Schule werden so ohne Kontext nebeneinander stehen.

Was die Beitragskosten der Eltern zur Betreuung betrifft, so wünschen sich 85% eine soziale Staffelung der Kosten, außerdem können laut Umfrage fast die Hälfte der Eltern nur 50 € pro Monat (Mittagessen inkludiert) ausgeben. Auch die finanziell angespannte Situation der Gemeinden führt derzeit noch zu sehr unterschiedlichen Ermäßigungen des Elternbeitrages. Daher wird zukünftig ein bundesweit einheitlicher Beitragssatz inklusive sozialer Staffelung gefordert

Obwohl das größte Hindernis für die Ganztagsschule die Finanzierbarkeit darstellt, würde sich laut Studie aber auch die Frauenerwerbsquote weiter heben. Daher wird nur ein qualitativ hochwertiges Betreuungsangebot vor allem im Volksschulbereich die Beschäftigungszahlen der Frauen steigern. Außerdem würden im Schulbereich selbst viele zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Bei der Befragung der BürgermeisterInnen stellte sich eine mehrheitlich positive Einstellung der Ganztagsbetreuung heraus. Es können sich auch ¾ der BürgermeisterInnen eine Kooperation mit den Umlandgemeinden vorstellen. Darüber hinaus wird auch von einem Anstieg der Nachfrage an Betreuungsplätzen ausgegangen, obwohl in den nächsten Jahren ein Rückgang der Schülerzahlen im Volksschulbereich zu erwarten ist.

Umsetzungshindernisse

Größtes Hindernis stellt, wie bereits erwähnt, die Finanzierung dar.

70% der BürgermeisterInnen rechnen mit Umbaukosten (Schätzung: durchschnittlich 166 000€ pro Schule) sowie einem zusätzlichen Bedarf an Personal (Schätzung: durchschnittlich 57 500€ pro Jahr und Schule).

Die Städte können jedoch diese zusätzlich entstehenden Kosten mit ihrem Budget nicht decken.

Weitere Hindernisse stellen gesetzliche Richtlinien, fehlende Infrastruktur oder etwa die Konkurrenz zu bestehenden Institutionen dar.

Resümée

Für die Zukunft tritt die AK für einen Sonderfinanzierungsplan von Bund und Ländern ein, so dass jährlich die Errichtung von 10 000 neuen Ganztagsplätzen gesichert ist.

Den Eltern sollte ein Rechtsanspruch auf ganztägige Betreuung gegeben werden.

Zusätzlich sollte die bestehende Schulsprengeleinteilung verändert werden, um den Eltern mehr Wahlmöglichkeiten für die Ganztagsbetreuung zu geben.

Auch eine Berücksichtigung der finanziellen Situation der Eltern bei den Kostenbeiträgen wird gefordert.

Nur durch diese Maßnahmen kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und damit eine Anhebung der Frauenerwerbsquote sichergestellt werden.

Siehe auch Ganztagsschule zwischen bildungspolitischer Vision und sozialen Akzeptanzproblemen

Quelle

 Kurt Kremzar aus „Erziehung und Unterricht September/Oktober 7-8/05


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